Als P„dagogen noch etwas galten - Johann Heinrich Ludwig Meierotto

Man braucht in Berlin nur wenige Generationen zurck zu verfolgen und st”át auf Familien, wo der Schulmann eine gute und gepflegte Tradition hatte. Zugegeben, mit dem Milit„r konnte man in Preuáen nicht konkurrieren, aber vom Lehrer zum Gelehrten war es oft nur ein kleiner Schritt.

Auch Johann Heinrich Ludwig Meierotto stammte aus einer Familie mit p„dagogischen Ursprngen, war doch bereits sein Groávater Heinrich Meierotto Rektor bzw. Professor am Friedrichwerderschen bzw. am Joachimsthalschen Gymnasium. Er selbst, am 22. August 1742 im pommerschen Stargard geboren, lernte von 1760 bis 1762 am Joachimsthalschen Gymnasium, um seinen Plan zu verwirklichen, als Theologe zu wirken, vielleicht sogar an einer Universit„t zu lehren. Doch diesem Ziel wurde er erst einmal untreu, weil er 1765 eine Stelle als Erzieher im Haus des Bankiers Schickler antrat und es dort immerhin fnf Jahre aushielt.

In dieser Zeit betrieb er wissenschaftliche Studien und pflegte Kontakt mit verschiedenen Pers”nlichkeiten Berlins, so mit dem Schweizer Philosophen Johann Georg Sulzer (1720-1779), der seit 1747 in Berlin wirkte. Sulzer, der einige Zeit am Joachimsthalschen Gymnasium lehrte und es dann als Visitator betreute, vermittelte Meierotto 1771 eine Anstellung als Professor an diesem Gymnasium. Als Sulzer 1773 die Funktion des Visitators abgab, bernahm sie der Philologe Johann Bernhard Merian (1723-1807). Ihn verband eine enge Freundschaft mit Meierotto. So war es nicht verwunderlich, dass Meierotto am 25. April 1775 als Rektor des Gymnasiums berufen wurde. Merian, der pers”nliche Kontakte zum preuáischen K”nig Friedrich II. unterhielt, hatte sich fr die Wiedereinfhrung dieser Stellung eingesetzt, die unter Sulzer von einem mehrk”pfigen Kollegium ausgebt worden war.

Das Joachimsthalsche Gymnasium war eine der ersten h”heren Schulen Berlins. Nur das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster, 1574 im ehemaligen Franziskanerkloster in der Klosterstraáe gegrndet, war noch „lter. Kurfrst Joachim Friedrich (1546-1608) hatte 1607 in Joachimsthal in der Schorfheide nach dem Vorbild der s„chsischen Frstenschule von Meiáen eine Schule gegrndet, die zur Vorbereitung auf die Landesuniversit„t in Frankfurt/O dienen sollte. 1636 war sie durch die Kriegswirren des Dreiáigj„hrigen Krieges zerst”rt worden. Der Groáe Kurfrst Friedrich Wilhelm (1620-1688) befahl 1650 die Neugrndung, nunmehr in Berlin. Anf„nglich fand der Unterricht im Schloss und in der Brderstraáe statt. Seit 1688 erhielt die Schule eigene Geb„ude; bis 1880 wurde seither in der Burgstraáe 22 und der Heiligegeiststraáe 5 in Berlin-Mitte unterrichtet. Aus dem Gymnasium gingen viele Lehrer, Theologen und Gelehrte, sp„tere Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, aber auch Beamte des preuáischen Staates hervor.

Als Rektor dieser angesehenen Bildungsanstalt genoss Meierotto hohes Ansehen. Unter seiner Leitung verbesserten sich Disziplin und Leistungen der Schler. So setzte er die pers”nlichere Anrede "Sie" statt des bisherigen "Er" durch und lieá eine "Konversationsstube" einrichten, um die Geselligkeit in der Schule zu entwickeln. Er fhrte Fachsysteme in den Unterricht ein und sorgte fr die Aufnahme naturwissenschaftlicher F„cher. Seine Arbeit fand eine solche Anerkennung, dass ihn der Minister Karl Abraham von Zedlitz (1731-1793) mit der Abfassung einer Lehrordnung fr das Gymnasium beauftragte, die dann zum Vorbild fr alle preuáischen Gymnasien wurde. Auch seine Ver”ffentlichungen dienten vor allem der Verbesserung des Unterrichts. So gab er 1785 eine Lateinische Grammatik heraus; 1794 erschien eine Sammlung unter dem Titel "Abschnitte aus deutschen und verdeutschten Schriftstellern zu einer Anleitung der Wohlredenheit besonders im gemeinsamen Leben". 1788 wurde er in das neu eingerichtete Oberschulcollegium berufen. Als Mitglied der Akademie der Wissenschaften (seit 1786) und der Akademie der Knste (seit 1790) hochgeehrt, starb Johann Heinrich Ludwig Meierotto am 24. September 1800 in Berlin.

E.Fromm